Der sichere Schulweg in Obing

Ein Projekt für Ausdauernde

Morgens in Obing. Die ersten Sonnenstrahlen kitzeln die Dächer, die Vögel zwitschern und die Kinder machen sich auf den Weg zur Schule. Ein ganz normaler Schultag könnte man meinen. Doch für viele ist der Weg zur Schule eher ein Abenteuertrip, der mehr mit Hindernisparcours zu tun hat als mit einem sicheren Schulweg.

„Sicherer Schulweg“ – das ist ein Begriff, der seit 2018 von einem engagierten Ehrenamtsteam in den Sitzungssaal des Obinger Gemeinderats getragen wird, als wäre er ein unerreichbares Ziel auf der Liste der guten Vorsätze.   

Dabei ist es ganz einfach: Die Kinder brauchen einen sicheren Weg, der sie unbeschadet zur Schule bringt, kein Elterntaxi, das zu schnell durch die Spielstraße rauscht, keine übersehenen Fahrradfahrer am Schloßberg, keine fehlenden Bodenmarkierungen und keine löchrigen Gehwege.

So einfach könnte es sein. So einfach ist es aber leider nicht immer. Natürlich, die Verantwortlichen im Gemeinderat haben den dringenden Wunsch Obing zu einem Vorbild in Sachen Sicherheit zu machen – zumindest meistens. Oder überwiegend? Oder doch eher zu Wahlkampfzeiten? Denn wehe dem, der konkrete Maßnahmen einfordert. Da wird plötzlich über die Finanzlage, das Zeitmanagement des Bauhofes und langfristige Planungen wie die neue Ortsdurchfahrt gesprochen, als ob der sichere Schulweg nur durch den Einsatz von Raketenwissenschaftlern möglich wäre. Als ob ein paar zusätzliche Straßenmarkierungen und eine geringfügige Tempolimit-Ausweitung auf den Straßen rund um die Schule nicht machbar wären. Und wer jetzt denkt, das sei alles nur gut gemeint, aber wenig durchdacht, der hat noch nicht  von der innovativen Idee gehört, dass auch die Spielstraße vor der Schule – die als „Chaos-Epizentrum von Obing“ bekannt ist – endlich eine zeitliche Durchfahrtssperre bekommt. So ein kleiner „Sperr-Bezirk“ kann wahre Wunder wirken, zumindest bis die ersten „Warum darf ich hier nicht mehr durch?“- Fragen auftauchen.

Aber Obing wäre nicht Obing, wenn sich nicht auch hier immer wieder die kleinen Schritte bemerkbar machen würden. Durch unerschrockenen Unterstützer, kreative Ideengeber und unermüdliche Projektinitiatorinnen (nein, es sind nicht die Mütter mit dem Helikopter, sondern die, die übern Tellerrand schauen), werden die Straßen nach und nach beruhigt, die Bushaltestellen vernünftig eingerichtet und die sicheren Wege mit gelben Füssen markiert. Und sogar ein mehr als engagiertes Team aus ehrenamtlichen Schulweg- und Verkehrshelfern leistet in fast schon „James Bond Manier“ Dienst und darf so manchen Autofahrer an die gängigen Straßenregeln erinnern.   

Und selbst wenn alle Stricke reißen, und der Nachwuchs muss unbedingt mit dem Auto zur Schule, dann gibt’s halt nicht den „Drive-In fürs Klassenzimmer“ sondern so moderne „Kiss and Go“- Bereiche, nicht fürs abendliche Rendezvous, sondern zum sicheren Bring-und Hol-Service der Eltern. Ein bisserl Zu-Fuß gehen ist auch da für die Kinder eine kurze, gesunde Bewegungseinheit.

Also, alles in allem: Viel ist bereits erreicht und Obing macht’s vor:   hier sind nicht nur die Schulwege sicher, sondern auch die Motivation der Ehrenamtlichen, denn ohne alle die Ausdauernden wäre der Schulweg wohl noch immer eine Art „Highway to School“